Mobile Lösung für die österreichische Forstwirtschaft

"Bitte recht freundlich!" - wenn Sie bei einem Waldspaziergang einmal einen Lkw-Fahrer beobachten, der mit seinem Smartphone die Baumstämme auf seinem Anhänger aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert, wundern Sie sich nicht. Der Mann hat nicht etwa ein besonders inniges Verhältnis zu seiner Fracht. Die Schnappschüsse dienen vielmehr sehr handfesten betriebswirtschaftlichen Zwecken.

 


Gemeinsam mit dem Pilotkunden Leobner Realgemeinschaft, einem der größten Forstbetriebe in Österreich, hat der BASIS-Kunde Dam-EDV aus der Steiermark eine Smartphone App entwickelt, die bei der Lieferung von Rundholz vom Forstbetrieb an das Sägewerk zum Einsatz kommt. Schauen wir uns an, wie dieser Prozess bisher ablief und wo genau der Nutzen der App liegt.

Vorher: Ein langsamer und fehlerbehafteter Prozess

Bisher hat der Fahrer die Qualität und Menge des Holzes geschätzt und beim Aufladen im Wald manuell einen Lieferschein auf Papier ausgefüllt, den er mit der Fracht beim Sägewerk abgegeben hat. Im Sägewerk wird das Holz exakt gewogen und die Qualität ein zweites Mal taxiert. Die Qualität des Holzes bestimmt den Preis, den der Forstbetrieb erzielen kann. Der kann je nach Qualität ganz erheblich schwanken zwischen 40 Euro und 100 Euro pro Festmeter für beste Qualität. Den Preis, den das Sägewerk ermittelt hat, schreibt es dem Forstbetrieb gut.

Bis der Lieferschein - wiederum von Hand - in der Datenbank erfasst wurde, konnten mehrere Tage ins Land gehen. Der Forstbetrieb bekam seine Gutschrift somit erst, wenn das Holz im Sägewerk längst verarbeitet war. Und nicht selten kamen Meinungsverschiedenheiten zwischen Lieferant und Kunde hinsichtlich der Qualität des angelieferten Holzes vor. Aber was, wenn der Forstbetrieb der Meinung war, besseres Holz geliefert zu haben als ihm gut geschrieben wurde? Wie konnte er das nun noch nachweisen, wenn aus den Baumstämmen längst Bretter geworden waren?

Jetzt: Mehr Komfort, schnellerer Umschlag

Dieser Prozess hat sich mit der BUI-App, die Dam-EDV entwickelt hat, deutlich geändert. Statt einen Lieferschein auf Papier per Hand auszufüllen, ruft der Fahrer nun die App vom Cloud Server auf und tippt die wesentlichen Daten einfach in sein Smartphone. Die übersichtliche Eingabemaske (Abb. 1) macht es ihm leicht.


Abbildung 1. Die Eingabemaske im Smartphone.

Dann macht er noch ein paar Fotos von der Ladung (Abb. 2) mit der eingebauten Smartphone-Kamera - bis zu sieben Fotos können mit verarbeitet werden. Die Bildqualität bei modernen Telefonen - im Praxiseinsatz befinden sich derzeit Modelle von Sony, Samsung und Apple - ist sehr gut. So lässt sich bei Bedarf auch viel besser belegen, welche Qualitätseinstufung das gelieferte Holz verdient hat. Auch das Mitsenden von Videos ist natürlich möglich. “Ein Video von 60 Sekunden Länge ist etwa 5 MB groß und in 20 bis 30 Sekunden verschickt,” so Werner Dam, Geschäftsführer von DAM-EDV.


Abb. 2. Der Fahrer fotografiert die Ladung vor dem Abtransport mit dem Smartphone.

Den Lieferschein plus Bilder und Videos schickt der Fahrer mit einem einfachen Fingerdruck auf die “Ende mit Speichern”-Taste an den Server bei DAM-EDV. Dort wird eine E-Mail generiert, die mit den Fotos an den Forstbetrieb und das Frachtunternehmen gesendet wird. Gleichzeitig wird der gesendete digitale Waldlieferschein in der Datenbank des Kunden gespeichert.

Dieses einfache Verfahren hat Vorteile für alle:

  • Der Fahrer kann seine Daten schnell und fehlerfrei weiterleiten.
  • Der Forstbetrieb
    • spart die doppelte Erfassung der Daten
    • erhält seine Gutschrift potenziell sehr viel früher
    • hat jederzeit einen Überblick darüber, wie viele Fuhren schon geladen und unterwegs, aber noch nicht gutgeschrieben sind und welcher Gutschriftsbetrag ungefähr zu erwarten ist.

 

So erleichtert der neue Prozess die Ressourcen- und die Finanzplanung erheblich. “Der größte Kunde unseres Pilotpartners liefert am Tag bis zu 200 Lkw-Ladungen mit Rundholz aus dem Wald aus. Das bedeutet, dass bisher rund 600 Ladungen “blind” unterwegs waren. Jetzt hat er taggleich einen Überblick über seine Umsatzplanung und über die eingesetzten Transportressourcen”, erklärt Werner Dam. Der Forstbetrieb profitiert auch davon, dass die Aufenthaltsorte und -zeiten der Fahrer mit der App automatisch mit erfasst werden.

Projektdauer: Nur zwei Wochen

“Wir haben die webbasierte Lösung mit BBj in rund 80 Mannstunden realisiert, verteilt über einen Zeitraum von drei Monaten”, schätzt Werner Dam. “Und das obwohl die App unser erstes BBj-Projekt war.”

Der Pilotkunde war während des gesamten Projekts als Partner mit im Boot. Er testete neue Programmstände unter Praxisbedingungen und gab wertvolles Feedback, so dass eine sehr stabile und funktionale Anwendung entstand. Das User Interface wurde mit CSS benutzerfreundlich und schick gestaltet.

“Wir haben bereits eine Reihe von weiteren Interessenten, aber es war mir wichtig, dass die Anwendung erst richtig stabil läuft, bevor wir sie anderen Kunden anbieten,” so Dam.

Von der Erfahrung mit der BUI-App profitieren die Entwickler von Dam-EDV direkt, wenn es an die Migration der rund zehn umfangreichen Anwendungspakete des Unternehmens von VPRO/5 nach BBj geht.

Ein Smartphone hat jeder – so ist die Hardware praktisch kostenlos

Dank BUI arbeitet die App problemlos mit allen gängigen Smartphones zusammen, von denen mittlerweile fast jeder eines besitzt. “BUI erschließt die moderne Smartphone-Technologie ohne Zusatzaufwand. Das Erlernen weiterer Programmiersprachen für native Apps ist zum Beispiel unnötig. Wir haben auch die Möglichkeit vorgesehen, weitere Funktionen einzubinden, die die Hardware bietet: Zum Beispiel könnte man den GPS-Code bei den Fotos mitspeichern, so dass jederzeit der genaue Herkunftsnachweis für jede Fuhre zu führen wäre”, sagt Dam. “Sobald das ein Kunde anfragt, dann machen wir das.”

Aber der wichtigste Faktor ist die Tatsache, dass die Hardware quasi kostenlos verfügbar ist. “Unsere Wettbewerber sind mit ähnlichen Anwendungen im Markt, die aber alle die Anschaffung von Tablets erfordern und meist eine separate Anwendungssoftware verlangen.” Bei Dam ist die App als optionales Modul in die Branchenlösung “Rundholzanwendung” nahtlos integriert, und der Forstbetrieb kann sich auch jegliche Hardware-Investition sparen: Jeder Fahrer kann sein privates Handy benutzen, das er kennt und gewohnt ist. Das reduziert den Schulungsaufwand drastisch, nämlich “auf zwei Minuten”, wie Werner Dam zufrieden feststellt. “Das hat dem Kunden natürlich sehr gut gefallen.” Bei einem Personalwechsel gibt es ebenfalls keinen neuen Schulungsaufwand. Der neue Mitarbeiter erhält die Zugangsdaten für die App und kann sofort auf seinem Smartphone praktisch sofort produktiv damit arbeiten.

Mit BASIS ging es leichter

Während der gesamten Projektdauer stand Dam-EDV in direktem Kontakt mit dem Team von BASIS Europe. Es trat beispielsweise ein Bug bei der Nutzung der numerischen Tastatur bei Samsung-Handys auf, der von Saarbrücken direkt nach Albuquerque weitergeleitet wurde. Der Fehler wurde schnell beseitigt wurde und die Lösung fand Eingang in die nächste BBj-Release.

Auch sonst stand Andreas Timm für Präsenz-Schulungen oder die Beantwortung von Detailfragen “on the fly” zur Verfügung. Werner Dam hält es auch für gut, Teilprojekte an BASIS Europe zu vergeben, wo es Sinn macht: “BASIS Professional Services hat zum Beispiel das Modul für den Upload der Fotos vom Handy zum Server entwickelt. Wir hätten das zwar auch selbst hingekriegt, die Dokumentation der Tools ist ja sehr gut. Aber ein erfahrener Programmierer bei BASIS schafft das in wenigen Stunden, und wir sparen uns ein paar Manntage, die wir sinnvoller für unsere Kunden einsetzen können.”

Zusammenfassung

Die DAM-EDV aus Österreich hat mit ihrem Pilotkunden, der Leobner Realgemeinschaft, eine App für die Forstwirtschaft entwickelt, die den Datenfluss rund um den Holztransport drastisch verschlankt sowie die Abwicklung für alle Prozessbeteiligten effizienter macht. Die BUI-App war das erste BBj-Projekt von Dam-EDV und wurde in nur 80 Mannstunden auf die Beine gestellt. Das Interesse der Forstbranche - in Österreich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - ist bereits sehr groß.

Werner Dam denkt auch darüber nach, seinen Kunden aus anderen Branchen eine mobile App in BUI-Technik anzubieten. “Ich denke zum Beispiel an die Baustoffhändler, die mit mobiler Software ebenfalls Effizienzgewinne erzielen könnten. Die Entwicklung der App würde dank unserer gewachsenen Erfahrung nun natürlich ruckzuck gehen.”


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